Ratgeber Adipositas
Informationen für Betroffene und Angehörige
Diagnose von Adipositas
Die Diagnose Fettsucht oder Adipositas gelingt meist schon durch Augenschein. Die Ermittlung des Ausmaßes darf sich jedoch nicht allein auf den optischen Eindruck stützen. Hierzu wird am häufigsten der Körpermassenindex (Body-Mass-Index BMI, siehe Kapitel 1) herangezogen. Durch ihn lässt sich das persönliche Risiko für Folgeerkrankungen ermitteln. Außerdem können die Fettverteilung und Blutwerte Aufschluss geben.
Blickdiagnose bei Adipositas
Beim ersten Besuch seines Patienten verschafft sich der Adipositas-Arzt einen wichtigen Eindruck über das Erscheinungsbild und den Gesamtzustand des Patienten. Über die Berechnung des Körpermassen-Index BMI (BMI = Körpergewicht (kg) / Körperlänge (Meter)2) kann sowohl das Ausmaß der Adipositas, als auch das Risiko für Begleiterkrankungen bestimmt werden.
Kategorie Body Mass Index (BMI), Risiko für Begleiterkrankungen
• Normalgewicht: < 18.5 niedrig/>
• Adipositas Grad I: 30-34.5, erhöht
• Adipositas Grad II: 35 – 39.9, hoch
• Adipositas Grad III: 40 und höher, sehr hoch
Genaue Befragung des Patienten
Zusätzlich ist es sehr wichtig, den Patienten detailliert nach seiner Lebensgeschichte zu befragen. Bei dessen Schilderung gewinnt man nicht nur einen Eindruck über seinen Lebensstil und seine seelische Verfassung. Der Arzt kann sich explizit seine Beschwerden, Essgewohnheiten und körperlichen Aktivitäten, eingenommene Medikamente und Vorerkrankungen schildern lassen.
Welche Fettverteilungstypen gibt es?
Um das persönliche Risiko für Stoffwechsel- und Herz-Kreislauferkrankungen einschätzen zu können, ist die Bestimmung der Fettverteilung hilfreich. Je nach der Verteilung des Körperfettes unterscheidet man den weiblichen Fettverteilungstyp (hüft- und oberschenkelbetonte Birnenform) und den männlichen Fettverteilungstyp (stamm- und bauchbetonte Form). Letzterer spielt bei der Bauchfettsucht eine bedeutende Rolle für ein erhöhtes Gesundheitsrisiko. Bei einem BMI über 25 sollte man seinen Lebensstil ändern, insbesondere wenn man vorwiegend Bauchfett aufweist (Apfelform). Sollte der BMI über 30 liegen, ist eine Therapie mithilfe von Beratung (Diät-, Verhaltens-, Gruppentherapie) anzustreben.
Die Messung des Taillenumfangs
Auch die Messung des Taillenumfangs ist neben der Schätzung des Bauchfettes ein unbedingtes Muss.
• Bei einem Umfang von mehr als 80 cm bei Frauen und mehr als 94 cm bei Männern ist das Risiko für Folgeerkrankungen erhöht.
• Bei einem Taillenumfang von 88 cm bei Frauen und 102 cm bei Männern liegt eine Bauchfettsucht (abdominale Adipositas) mit einem stark erhöhten Risiko für Stoffwechsel- und Herz-Kreislauferkrankungen vor.
Blutwerte und sonstige Untersuchungen
Eine Blutentnahme ist zusätzlich nötig, um bereits eingetretene Folgeerkrankungen oder Risikofaktoren zu bestimmen. Besonders wichtig ist es, beispielsweise den Gehalt an Blutzucker, die Blutfett- und die Harnsäurewerte zu bestimmen. Auch durch ein EKG lassen sich Hinweise auf den allgemeinen Gesundheitszustand erlangen. Die Messung des Blutdrucks gibt dem Arzt schließlich Auskunft über Bluthochdruck, wie er häufig bei Fettsucht vorhanden ist.
Birgit Lindner