Ratgeber Adipositas
Informationen für Betroffene und Angehörige
Entstehung von Adipositas
Seit den 1980er-Jahren hat sich der Lebensstil in Deutschland mehr als verändert. Zunehmender Wohlstand hat wesentlichen Einfluss auf die Essgewohnheiten. Besonders oft kommt es zu einer familiären Häufung. Wenn beide Eltern adipös sind, ist nach einer Adipositasstudie auch bei 80 % der Kinder mit Adipositas zu rechnen (Stunkard et al., 1986). Die Auslöser für Fettleibigkeit sind vielmehr durch viele Faktoren bestimmt. Die Ernährung, die Lebensweise und zu wenig Bewegung sind drei wichtige Eckpfeiler, die eine positive Energiebilanz hervorrufen. Diese ist dadurch charakterisiert, dass dem Körper mehr Energie zugeführt als verbraucht wird.
Ernährung und Energiehaushalt
Ein ständig vorhandenes Nahrungsangebot wirkt sich ungünstig auf die Gesundheit und das Überleben aus. Immer wiederkehrende Perioden des Nahrungsmangels dagegen waren früher als Überlebensvorteil zu sehen. Hungerzustände führen neben körperlicher Bewegung nämlich zu einer Verkleinerung der Fettzellengröße. Zeiten der Nahrungsknappheit, die früher das Körpergewicht regulierten, bestehen in der heutigen Zeit nicht mehr. Vielmehr stellt heute ein Überangebot an Lebensmitteln den Normalzustand dar.
Kalorien- und fett- bzw. zuckerreiche Ernährung führen dazu, dass wir mehr Kalorien aufnehmen als wir verbrennen können. Der Körper legt Fettpolster an, um überschüssige Fette zu speichern. Bei gleichzeitigem Bewegungsmangel bewirken die zunehmend angelagerten Fette eine stärkere Wärmeisolierung und die durch die Nahrung aufgenommene Energie wird kaum noch in nennenswerter Weise abgegeben. Man spricht von positiver Energiebilanz.
Häufig unterschätzt wird der Energiegehalt von Getränken wie Fruchtsäften, Limonaden oder Bier. Auch Störungen im Essverhalten spielen eine bedeutende Rolle. Einige Übergewichtige essen häufiger und schneller. Bei der Nahrungsaufnahme kommt es zur Dehnung des Magens. Dem Gehirn wird kein Sättigungsgefühl gemeldet. Erst wenn mehr Nahrung, als eigentlich benötigt wird, aufgenommen ist, stellt sich dieses Sättigungsgefühl ein.
Genetische Veranlagung
In manchen Familien scheint Übergewicht häufiger vorzukommen als in anderen, was darauf schließen lässt, dass genetische Ursachen eine wichtige Rolle bei deren Entstehung spielen. Wissenschaftler vermuten, dass der individuelle Grundumsatz im Stoffwechsel eines Menschen festgelegt ist. Dabei handelt es sich um die Anzahl der Kalorien, die im Ruhezustand vom Körper verbraucht werden. Manche Menschen verbrauchen im Ruhezustand viele Kalorien, sodass sie entsprechend viel essen können, ohne zuzunehmen. Andere dagegen haben nur einen geringen Grundumsatz und nehmen schnell an Körpergewicht zu.
Jedoch spielt sicher neben diesen genetischen Faktoren hinsichtlich des gehäuften Auftretens von Übergewicht in manchen Familien auch die Weitergabe von Essgewohnheiten eine große Rolle.
Psychische Faktoren
Stress, Ärger, Ängste oder Langeweile sind häufig Auslöser für ein gestörtes Essverhalten – sogen. „Heißhunger-Attacken“ oder „Frustfraß“. Darüber hinaus haben Menschen häufig Selbstwertstörungen und sogar Kontaktstörungen bis hin zur sozialen Ausgegrenztheit aufgrund ihrer Körperfülle. Sowohl am Arbeitsplatz, als auch in der Familie und der Öffentlichkeit begegnen Übergewichtige regelrechter Diskriminierung. Diese Faktoren verstärken wiederum ein gestörtes Essverhalten, das sich in sogen. „Frustfraß“ oder „Heißhungerattacken“ äußert.
Andere Erkrankungen und Medikamente
Deutlich seltener tritt die Fettleibigkeit infolge hormoneller Erkrankungen wie einer Unterfunktion der Schilddrüse und Erkrankungen der Nebenniere (Cushing-Syndrom) auf.
Auch einige Medikamente können zu vermehrter Nahrungsaufnahme und zur Gewichtszunahme führen. Hierzu zählen Glucocorticoide, die Antibabypille, Antidiabetika oder Neuroleptika.
Birgit Lindner