Ratgeber Adipositas

Informationen für Betroffene und Angehörige

Adipositas-Therapie

Nur eine langfristige und dauerhafte Umstellung der Ess- und Lebensgewohnheiten führt zu einer erfolgreichen Adipositas-Behandlung. Der Patient sollte aktiv an sich arbeiten und akzeptieren, dass er Gewichtsprobleme hat.

Es gibt drei Eckpfeiler bei der Adipositas Behandlung:
• Ernährungs- bzw. Diätberatung
• Verhaltenstherapie
• regelmäßige Bewegung

Professionelle Hilfe ist vor allem dann ratsam, wenn der BMI (kg/m2) über 30 liegt oder bei BMI = 27 bereits Folgeerkrankungen aufgetreten sind. Dazu gehören Herz- und Kreislauferkrankungen wie koronare Herzkrankheit, Diabetes und Bluthochdruck, schwere seelische Schäden wie mangelndes Selbstbewusstsein, Stress und Depression. Orthopädische Schäden an Wirbelsäule und Gelenken und soziale Probleme gehören ebenfalls zu den Folgeerkrankungen.

Ernährungsumstellung und Senkung der Energiebilanz zur Bekämpfung von Adipositas

Eine fett- und kalorienarme, ausgewogene Ernährung mit kleineren Portionen, langsam verzehrt, senkt das Gewicht und die Energiebilanz. Abnehmen hat positive Wirkung auf die Gesundheit. Der Cholesterinspiegel wird gesenkt und Folgeerkrankungen vorgebeugt.

Dabei ist es wichtig, das Gewicht langsam zu senken. Bei raschem Abnehmen stellt sich der Körper auf eine verminderte Kalorienzufuhr ein. Beenden die Patienten die Diät und führen dem Körper wieder die gleichen Kalorien wie vor der Diät zu, verwertet der Körper die jetzt zugeführte Energie sofort. Es kommt zum so genannten „Jo-Jo-Effekt“, d. h., zu einer erneuten Gewichtszunahme.

Aktivität und Bewegung

Kalorienreduzierte Ernährung sollte unbedingt von körperlicher Aktivität unterstützt werden. Bewegung hilft, die zugeführte Energie wieder abzubauen. Durch die neu aufgebaute Muskelmasse kommt es nicht gleich zum Gewichtsverlust, der Energieumsatz steigt jedoch trotzdem. Außerdem nimmt durch Sport die Fettmasse ab, der Einfluss auf das Sättigungsgefühl und die Psyche ist positiv – Nebeneffekte: Stressabbau, gesteigerte Motivation.

Ausdauersportarten wie Walking, Joggen, Schwimmen, Wandern sind hierbei besonders zu empfehlen. Gerade auch im Alltag sollte man versuchen, mehr Bewegung einzubauen: Treppen steigen statt den Aufzug zu wählen, Radfahren statt das Auto zu benutzen. Menschen, die schon länger keinen Sport mehr getrieben haben oder an Herz-Kreislauf Erkrankungen leiden, sollten allerdings den Rat des Arztes hinzuziehen.

Verhaltensänderung und Psychotherapie für Adipositas-Patienten

Ziel ist eine längerfristige, kontinuierliche Gewichtsabnahme und nicht eine kurzfristige Gewichtsreduktion. So können die notwendigen Schritte für eine Wiedereingliederung im psychologischen, emotionalen und verhaltensbezogenen Bereich (Veränderung von Beziehungen) vollzogen werden.

Durch eine Verhaltensherapie verbessern sich Eigenkontrolle und Stressbewältigung. Die Patienten erlernen Techniken und Prinzipien, mit deren Hilfe Essgewohnheiten verändert und die körperlichen Aktivitäten gesteigert werden.

Medikamente und chirurgische Eingriffe in der Adipositas-Therapie

Für Patienten mit Fettleibigkeit, bei denen sich trotz dieser Maßnahmen kein ausreichender Gewichtsverlust einstellen will, kann eine unterstützende medikamentöse oder chirurgische Behandlung erforderlich sein.

• Appetitzügler wie die Wirkstoffe Orlistat und Sibutramin: etwas stimmungsverbessernd, nicht gegen Depressionen.
• Ein neueres Medikament, das das Sucht- und Belohnungssystem im Gehirn blockieren soll, ist
Rimonabant.

Bei Kindern ist absolute Vorsicht geboten.

Für die chirurgische Therapie, die i. d. R. nur bei extremer Adipositas (BMI > 40) und bei Begleiterkrankungen wie Diabetes mellitus zum Einsatz kommt, eignen sich zum einen die
• Magenverkleinerung (Gastroplastik)
• Verkleinerung des Magens mit anpassbarem Magenband

Es ist wichtig, die Gefahren bei Operationen nicht zu unterschätzen. Die Sterblichkeit bei Adipositas-Operationen liegt bei 0.3 bis 1.6 %. Daneben kann es schwere Komplikationen geben.

Birgit Lindner

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