Ratgeber Adipositas

Informationen für Betroffene und Angehörige

Wissenswertes

Langfristiger Behandlungserfolg bei Adipositas

Die gesunde Hemmschwelle beim Essen versagt häufig bei Adipositas. Betroffene haben ein gestörtes Sättigungsgefühl und leiden infolge ihres Gewichts an Stoffwechselstörungen, wodurch sich die Beschwerden zusätzlich verschlimmern. Übermäßiger Genuss ist die Folge. Die Betroffenen können die Nahrungsaufnahme nicht mehr kontrollieren. Um sich der Essgewohnheiten bewusst zu werden, kann es hilfreich sein, ein Ernährungstagebuch zu führen. Viele adipöse Menschen wissen nämlich nicht mehr, wie viel und wie oft sie essen. Die bewusste Auseinandersetzung mit den Essgewohnheiten bringt den Betroffenen ein Stück Selbstkontrolle zurück.

Nur eine langfristige Umstellung der Ernährungs-, Trink- und Bewegungsgewohnheiten verhilft zu einer dauerhaften Gewichtsreduktion. Zu dieser krassen Umstellung der Lebensgewohnheiten, die langfristigen Erfolg verspricht, verhelfen begleitende Therapien und Selbsthilfegruppen. Die Umstellung zu gesunder Ernährung mit wenig Zucker und geringem Fettanteil ist für die Gesundheit der adipösen Patienten dauerhaft erforderlich.

Verbreitung von Adipositas

Die Verbreitung der Adipositas vor allem in den Industriestaaten ist alarmierend. Die WHO spricht bereits von einer „Adipositas-Epidemie“.

Hier einige Fakten zur Adipositas Häufigkeit der erwachsenen Deutschen (Quelle: Mensink et al. 2005):
• Ca. 50 % der Männer sind übergewichtig (BMI >= 25)
• Ca. 18 % der Männer sind adipös BMI >= 30)
• Ca. 35 % der Frauen sind übergewichtig
• Ca. 20 % der Frauen sind adipös (BMI >= 30)

Im jüngeren Lebensalter sind eher Männer von Übergewicht und Fettleibigkeit betroffen, ab dem 40. Lebensjahr überwiegt der Anteil der Frauen.

In vielen Ländern der Europäischen Region ist laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) Adipositas bereits für 2-8 % der Gesundheitskosten und 10-13 % der Todesfälle verantwortlich.

Wissenswertes bei Kindern und Jugendlichen

Ein besonderes Problem ist, dass der Anteil der Kinder und Jugendlichen mit Adipositas dramatisch ansteigt. 155 Mio. Kinder zwischen 7 und 17 Jahren sind weltweit übergewichtig. Ein Viertel davon ist krankhaft übergewichtig. Zusätzlich gibt es 22 Mio. übergewichtige Kinder unter fünf Jahren. Laut Robert-Koch-Institut ist jedes fünfte Kind zu dick. Übergewicht und Fettleibigkeit sind in den reichen Industrienationen zu einem Massenphänomen geworden.

Starkes Übergewicht hat negative Folgen für die Gesundheit und zieht eine Reihe bereits erwähnter Krankheiten nach sich. Auch die Psyche der Kinder ist stark betroffen. Adipositas bei Kindern und Jugendlichen führt nicht selten zu sozialer Isolation.

Langfristigen Erfolg verspricht ein Konzept, das neben umfangreichem Wissen über die gesunde Ernährung auch eine Sport- sowie Verhaltenstherapie beinhaltet. Eltern adipöser Kinder müssen begreifen, dass Übergewicht ein gesundheitliches Risiko darstellt. Wenn jedoch beide biologischen Eltern adipös sind, entwickeln ca. 80 % der Kinder ebenfalls eine Adipositas. Gemeinsam die Motivation zu steigern, die neu erlernten Verhaltensweisen zu festigen, eine Schulung der Selbstkontrolle und Strategien gegen einen Rückfall zu erarbeiten, muss oberstes Ziel sein.

Kosten der Adipositas-Therapie

Das Gesundheitssystem wird durch den hohen Anteil adipöser Menschen stark belastet. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen nur in begründeten Fällen die Behandlungskosten. Nachdem der medizinische Dienst die Notwenigkeit für operative Eingriffe überprüft und bestätigt hat, werden operative Eingriffe bei extrem Adipösen bezahlt. Die zur Unterstützung der Gewichtsabnahme notwendigen Medikamente müssen selbst finanziert werden. Auch die Kosten für die Teilnahme an bestimmten Programmen zur Gewichtsabnahme sind aus eigener Tasche aufzubringen. Oft bezuschussen die Krankenkassen den Besuch von Gesundheitskursen.

Birgit Lindner

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